für die Menschen in Bonn, Rhein-Sieg-Kreis und die Nachbarn an Rhein, Ahr und Erft

Zur Zukunft der Bonner Bühnen

KEIN RÜCKZUG DER KULTUR – SONDERN EIN MUTIGER AUFBRUCH FÜR UNSERE
WUNDERSCHÖNE BEETHOVENSTADT BONN – GERADE JETZT!

Angesichts der kulturpolitischen Diskussion, die in Bonn derzeit stattfindet, und der
unbestreitbar notwendigen Sparmaßnahmen braucht es jetzt mehr denn je faire, transparente
und gemeinsam getragene Lösungen – mutig im Denken, kreativ im Handeln und kooperativ im
Miteinander. Nur so entstehen Glaubwürdigkeit und die Kraft unserer Bonner Bürgerinnen und
Bürger, Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.

Bonn ist ein außergewöhnlicher Kulturstandort mit einem weltweiten Alleinstellungsmerkmal,
um das uns viele Städte beneiden: Beethoven! Das musikalische Erbe Ludwig van Beethovens
verleiht unserer Stadt internationale Strahlkraft und kulturelle Identität. Doch Beethoven darf
nicht bloße historische Kulisse bleiben. Dieses Juwel muss gerade jetzt noch mutiger, lebendiger
und gemeinschaftlicher gedacht werden – durch die enge Verbindung von Musik, Theater,
Museen, Musikschule, freier Szene und Popkultur sowie durch großartige Formate wie den
KUNST!RASEN. Die Marke Beethoven ist kein Denkmal der Vergangenheit, sondern ein
kultureller Schatz und ein immerwährender, klarer Zukunftsauftrag für unser Bonn!
Hinzu kommen die einzigartige Lage unserer Stadt am Rhein, am Siebengebirge sowie die
besondere Verbindung von Kultur, Geschichte und Natur, die Bonn unverwechselbar machen.
Der Kulturstandort Bonn darf deshalb nicht geschwächt oder kleingedacht werden – er muss
noch stärker belebt, sichtbarer gemacht und international selbstbewusst in Szene gesetzt
werden! Kultur kann und muss auch ein Wirtschaftsfaktor sein.

Zugleich ist Bonn weit mehr als eine Kulturstadt: Bonn ist ein zentraler Ort deutscher
Demokratiegeschichte. Als ehemalige Bundeshauptstadt wurde hier Demokratie gestaltet,
gelebt und gefestigt. Bonn steht bis heute für Dialog, internationale Zusammenarbeit und
demokratische Verantwortung. Diese politische und historische Bedeutung prägt unsere Stadt
ebenso wie ihre kulturelle Vielfalt und Offenheit.

Gerade diese einzigartige Verbindung aus Kultur, Demokratie, Geschichte und Lebensqualität
macht Bonn absolut einzigartig! Deshalb dürfen wir unsere kulturelle Orte niemals nur als
Kostenfaktor betrachten. Sie sind öffentliche Räume für Bildung, Begegnung, gesellschaftlichen
Austausch und demokratischen Diskurs. Sie stiften Identität, schaffen Zusammenhalt und
verleihen Bonn seine Seele!

Das Schauspielhaus in Bad Godesberg ist dafür ein herausragendes Beispiel. Seit über sieben
Jahrzehnten ist es weit mehr als ein Theater: Kulturort, Bildungsraum, sozialer Treffpunkt und
demokratischer Erfahrungsraum – mitten im Herzen eines Stadtbezirks. Genau dort muss Kultur
stattfinden: sichtbar, erreichbar und lebendig in den Zentren unserer Stadtteile, nah an den
Menschen und offen für alle Generationen. Das Schauspielhaus stärkt zudem Gastronomie,
Einzelhandel und Hotellerie im Stadtbezirk und ist damit ein bedeutender wirtschaftlicher
Standortfaktor. Sein Verlust wäre nicht nur ein kultureller Einschnitt, sondern ein schwerer
Schlag für die Entwicklung des gesamten Stadtbezirks und letztlich für Bonn insgesamt.
Gleiches gilt für die Oper in der Bonner Innenstadt – als einzigartiger, identitätsstiftender
Kulturstandort in atemberaubender, exklusiver Lage direkt am Rhein.

Kurzum: Bonn braucht eine starke dezentrale Kulturstruktur, die wir feiern! Eine Zentralisierung
kultureller Infrastruktur schwächt unsere Stadtbezirke, erschwert gesellschaftliche Teilhabe und
gefährdet enorm die urbane Vielfalt unserer Kulturlandschaft. Kultur muss polyzentrisch
gedacht werden: als lebendige Erfahrungsräume in allen Stadtteilen – nicht als exklusive Inseln
mit langen Wegen oder in einer abgeschiedenen, unattraktiver Umgebung.
GERADE JETZT!

In schwierigen Zeiten entscheidet sich, welche Werte eine Stadt wirklich trägt! Kultur ist keine
Nebensache und kein Luxus, sondern ein entscheidender Teil der kommunalen
Daseinsvorsorge. Sie schafft Bildung, Integration, Teilhabe und demokratische Räume. Wer
Kultur ausschließlich fiskalisch bewertet, verkennt absolut ihren gesellschaftlichen Auftrag und
ihren unschätzbaren Wert für das Miteinander.

Deshalb braucht es GERADE JETZT keine Rückzugsdebatten und kein bloßes Verwalten des
Mangels, sondern Mut, Leidenschaft und echte Zukunftsentscheidungen für unsere kulturellen
Orte in allen Stadtteilen Bonns! Wenn bestehende Modelle an ihre Grenzen stoßen, müssen wir
bereit sein, neue Wege zu gehen – mit flexiblen Nutzungskonzepten, starken Kooperationen
zwischen Kultur, Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft sowie innovativen Formen kultureller
Nutzung und Finanzierung.

Die kulturpolitische Zukunft Bonns entscheidet sich jetzt daran, ob wir den Mut haben, kulturelle
Orte in den Herzen unserer Stadtbezirke nicht nur zu renovieren, sondern sie kraftvoll
weiterzuentwickeln, zu öffnen und kreativ zu stärken!

Anna Sophia Baumgart

Theaterregisseurin, Stadtverordnete, Vorsitzende des Rüngsdorfer KulturBad e.V. und

künstlerische Leitung des KulturFestival Bad Godesberg

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