Unsere gemeinsame Aufgabe: wieder zurück in eine Normalität!

Völlig unerwartet überrollte die Pandemie die Welt. Jeder ist gefährdet, alle haben Einschränkungen und Enttäuschungen erlebt, wir fühlen uns hilflos und beunruhigt. Jeder einzelne hat aus den Erfahrungen gelernt und jeder reagiert spezifisch: durch Kommentierung, durch Weitergabe von Information, durch Beachtung der geltenden Regeln, durch Verbreitung von Verschwörungsideen,… Wir alle bemühen uns um Integration der neuen Erfahrungen in unser Leben.

Die Politik hat schnell und konsequent reagiert zu einem Zeitpunkt, als Vieles noch erheblich unklarer und unabsehbarer war, als es heute ist. Der Eindruck des Krisenstabes war gut, wesentlich besser jedenfalls als jetzt, wo die Frage im Vordergrund steht, wie die eingeleiteten Maßnahmen in eine neue Realität eingepasst werden können.

Gesellschaftlich lautet unsere gemeinsame Aufgabe, wieder zurück in eine Normalität zu finden. Dazu ist nicht nur bedeutsam, Therapien und Impfungen gegen Corona zu finden (keiner weiß, ob das gelingt), es gilt auch, viele weitere Konsequenzen zu beachten, die in den letzten Wochen erkennbar wurden. Hier sollen 3 Themenfelder angesprochen werden, die das Zusammenleben in der Gesellschaft aktuell stark beeinflussen:

  1. Unter gewohnten Bedingungen war Gesundheit/Krankheit kein sehr bedeutsames Thema. Eher selten stießen unterschiedliche Krankheitsverständnisse konflikthaft zusammen und dann am ehesten im kollegialen Berufsalltag. Es gibt 4 Gesundheitskonzepte (und ihre Übergänge), die sich deutlich voneinander unterscheiden: Sie führen zu unterschiedlicher Kommunikation, Reaktion, zu unterschiedlichem Umgang mit Krankheit und Gesundheit. Sie sind weitgehend lebenslaufbestimmend und haben Einfluss auf das gegenseitige Verständnis. Da durch die Pandemie Gesundheitsthemen alle gesellschaftlichen Felder berührt werden, werden entsprechende Unterschiede bedeutsam, verursachen sie Enttäuschung, Empörung oder Konflikte:
  2. Mein Gesundheit ist mir nicht bedeutsam, ich kümmere mich nicht darum
  3. meine Gesundheit ist bedeutsam, ich fühle mich dafür zuständig und verantwortlich
  4. meine Gesundheit ist mir bedeutsam, ich fühle mich hilflos und ausgeliefert
  5. mich interessieren Zusammenhänge, Statistiken und Entstehung.

Diese Konzepte sind weitgehend stabil und führen nur selten zu Auseinandersetzungen oder Missverständnissen. Falls durch Krankheitsauftreten unterschiedliche Vorstellungen offenkundig werden, gebietet unsere Kultur Rücksicht auf Betroffene. Aktuell aber ist das Gesundheitsthema gesellschaftliches Premium-Thema. Die Unterschiedlichkeit und die große Varianz des Erlebens wird deutlich. Konflikte sind vorprogrammiert.

Vor Corona dominierte in der Gesellschaft das Konzept „gesundheitliche Selbstverantwortung (s.o.2)“. Selbstoptimierung, Bedeutung von Sport und Ernährung deuten darauf hin. Aktuell dominiert eher das Konzept „hilflos“ mit Konsequenzen für die Grundstimmung und die Aktivität.

  • Der Verlust von Gesundheit ist zunächst etwas sehr Privates: Niemand kann die Schmerzen Betroffener ermessen. Was, wie und wann diese über Veränderungen sprechen, liegt nur in ihrer Hand! Welche medizinischen Maßnahmen eingeleitet oder akzeptiert werden, ebenfalls! Gleichzeitig sind Gesundheitsfragen öffentlich – Krankheit trifft mehr als einen: Die Sorgen der Angehörigen gehören dahin, genauso die Mehrarbeit durch Vertretungsregelungen im Arbeitsleben oder auch die gesellschaftlichen Kosten für Behandlungen oder Prävention. Die Pandemie schmälerte die Bedeutung der privaten Seite. Das mag durch die Gefährlichkeit der Pandemie gerechtfertigt gewesen sein. Jetzt aber müssen wir zurückfinden zur Akzeptanz von persönlichen Entscheidungen (ohne Schaden für die Gesellschaft). Das Thema muss neu verhandelt werden: Viele fühlen ihre Autonomie bedroht, andere ihre Gesundheit.
  • Schnelle und sinnvolle Reaktion war erforderlich zu Beginn der Pandemie. In den folgenden Wochen kam es zu Anpassungen, Rücknahmen, Modifikationen, (Fach-)Diskussionen: Das hat zu unterschiedlichen Massnahmen geführt, deren Effizienz unklar ist. Egal, was angeordnet oder eingeführt wurde: Niemand weiß, wie es weitergeht. Es gibt keine Sicherheit gegen Ansteckung, niemand weiß, wie sich „Normalität“ 2021 darstellt.  Wir müssen mit Unsicherheit leben lernen, es wurde uns durch die Pandemie bewusst, wie ausgeliefert wir  Menschen letztlich bleiben. Verlust von Sicherheit führt vielfach zu Angst. Damit angemessen umzugehen, ist die Aufgabe für uns alle.

Natürlich gibt es unendliche Themenfelder rund um Corona. Die hier ausgewählten Gesundheitsthemen betreffen uns alle: Wir müssen gemeinsam zur Normalität zurückfinden (wenn wir Pech haben zu einer Normalität mit Corona) und sollten uns gegenseitig in unserer Unterschiedlichkeit respektieren. Wir müssen uns gemeinsam um unsere Lebensqualität und unsere Zufriedenheit kümmern: das passiert nicht von selbst. Wir alle sind verantwortlich für unseren Umgang miteinander und den Umgang mit Verunsicherung: Eines ist sicher – es geht weiter!      

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