NRW-Wirtschaft löst sich aus dem Shutdown

Zweifellos ist die Wirtschaft Nordrhein-Westfalens massiv vom Corona-bedingten Einbruch der weltweiten Wirtschaftsaktivität betroffen. Ein Ende der Corona-Pandemie ist weiterhin nicht in Sicht. Zwar konnte in China und in den europäischen Ländern die Ausbreitung des Virus inzwischen weitgehend eingedämmt werden. Allerdings ist in vielen anderen Regionen die Zahl der Neuansteckungen nach wie vor hoch, nicht zuletzt in den USA. Entsprechend werden die Belastungen der Weltwirtschaft weiter anhalten. Auch die mit der Pandemie verbundenen Risiken für die Weltwirtschaft bleiben weiterhin hoch. Die Infektionsschutzmaßnahmen, die in Deutschland seit Mitte März eingeführt wurden, dürften zu einem kräftigen Rückgang der Produktion im zweiten Quartal geführt haben. Durch die anschließenden schrittweisen Lockerungen der Maßnahmen steigt die Wirtschaftsaktivität in Deutschland aber wieder an.

In Nordrhein-Westfalen dürfte die Wirtschaftsleistung in der ersten Jahreshälfte ebenfalls kräftig zurückgegangen sein. Allerdings deuten die verfügbaren Indikatoren darauf hin, dass – wie schon in der Finanzkrise – die Produktion in NRW in diesem Jahr weniger stark einbrechen wird als in Deutschland insgesamt. Wir gehen deshalb im aktuellen für das NRW-Wirtschaftsministerium erstellten „Konjunkturbericht Nordrhein-Westfalen“ davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahresdurchschnitt in NRW um 5,5 Prozent geringer sein wird als im Vorjahr.

Dies liegt vor allem am besonders kräftigen Rückgang der Produktion in der Automobilindustrie. Diese Branche hat in NRW ein geringeres Gewicht als in anderen Bundesländern. Da die Probleme in der Automobilindustrie, die zum Teil längerfristiger Natur sind, dazu führen dürften, dass die Erholung in diesem Bereich schwächer ausfällt als in anderen Wirtschaftszweigen, ist zu erwarten, dass sich die nordrhein-westfälische Wirtschaft auch etwas schneller belebt als im übrigen Bundesgebiet.

Insgesamt nehmen wir in den Konjunkturprognosen des RWI an, dass sich die Nachfrage nur langsam erholen wird. Das Produktionsniveau aus der Zeit vor dem Ausbruch der Corona-Krise dürfte daher erst im Laufe des kommenden Jahres erreicht werden. Dabei wird die konjunkturelle Belebung wohl insbesondere von der Binnennachfrage getragen werden. So tragen die Lockerungen dazu bei, dass sich der private Konsum wieder kräftiger ausweitet. Gestützt wird er von der Ausweitung des Kurzarbeitergeldes, die die Einkommen stabilisiert. Zudem haben die privaten Haushalte während des Shutdowns unfreiwillig die Ersparnis erhöht, so dass viele Menschen einige Anschaffungen und Ausgaben für Dienstleistungen, etwa Reisen, bei zurückkehrender Zuversicht langsam nachholen dürften. Positive Impulse gehen auch von den konjunkturstützenden Maßnahmen der Bundes- und der NRW-Landesregierung aus.

Prof. Dr. Torsten Schmidt ist Konjunkturchef des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und apl. Professor für empirische Makroökonomik an der Ruhr-Universität Bochum.

Foto: RWI/Sven Lorenz

https://www.wirtschaft.nrw/sites/default/files/asset/document/kb_nrw_juni_2020-2.pdf

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken